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Passantenbefragung Castrop-Rauxel

„Hospize? Eine wunderbare Sache“

Passantenbefragung der Fridtjof-Nansen-Realschule und des Adalbert-Stifter-Gymnasiums in Castrop-Rauxel. Fast alle Castrop-Rauxeler kennen Hospize und schätzen sie. Mit Sterben und Tod haben die meisten sich schon auseinandergesetzt, und was vielleicht noch erstaunlicher ist: Sie zeigen keine große Angst davor.

Die Totengedenktage Allerheiligen und Allerseelen sind bei mehr als der Hälfte – etwa 60 Prozent – noch eine fest verankerte Tradition. Das sind die Ergebnisse einer Straßenumfrage auf dem Wochenmarkt und in der Innenstadt von Castrop-Rauxel, bei der die Klasse 9 des Adalbert-Stifter-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin Anna Weber und die Klasse 10c der Fridtjof-Nansen-Realschule mit ihren Lehrerinnen Christiane Schmidt-Meier und Karin Winkler etwa 150 Personen befragten und rund 100 Antworten erhielten.

Es ist ein trüber, grauer Allerseelentag, der sich auf einmal doch noch überraschend aufhellt. Ein paar Sonnenstrahlen fallen auf den Markt, als die Klassen sich vor der Filiale der Sparkasse Vest mit Marianne Michel vom Franziskus-Hospiz (Recklinghausen) und Projektleiter Gerd Felder („Team Zirkel“ aus Münster) treffen.

Da über 50 Schüler beteiligt sind, entsteht ein kleines Gewühl, das sich aber bald ordnet. Die Zettel mit den Fragen an die Passanten werden verteilt, und Projektleiter Felder gibt noch ein paar Tipps und Ratschläge mit auf den Weg. Mehrere Gruppen machen sich in verschiedene Richtungen auf, suchen den Wochenmarkt auf, verteilen sich auf Fußgängerzone und Innenstadt und befragen die Passanten vor den Geschäften.

Vor allem jüngere Castrop-Rauxeler hasten häufig vorbei und verweigern die Auskunft:

  • „Meine Mittagspause ist gleich zu Ende.“
  • „Was wissen Sie über Hospize, und was halten Sie von Hospizen?“
  • „Wie stehen Sie zum Thema Sterben und Tod?“
  • „Wie begehen Sie Allerheiligen/Allerseelen beziehungswiese den Totensonntag und den Trauermonat November?“

lauten die nicht ganz einfachen Fragen, mit denen die Schüler die Passanten konfrontieren. Auf dem Wochenmarkt ist es schwierig, Antworten zu bekommen, denn es gibt hier nicht allzu viele Kunden, die gerade einkaufen, und nicht alle Marktbeschicker sprechen deutsch.

Doch in der Fußgängerzone sieht das wieder anders aus:
Besonders etliche ältere Menschen erteilen bereitwillig Auskunft, wobei einzelne auch in Tränen ausbrechen, weil sie kürzlich einen nahen Angehörigen verloren haben.
Doch auch darauf gehen die befragenden Schüler einfühlsam ein oder ziehen sich diskret zurück. Der Tenor ist eindeutig: Für die meisten gehört das Sterben zum Leben dazu, „und wenn der Tod kommt, dann kommt er“.

An ein Leben nach dem Tod glauben mehrere allerdings nicht, obwohl sie Christen sind.
Über die Totengedenktage im November geht die Meinung weit auseinander: Eine Minderheit von etwa 40 Prozent hält sie für „schwachsinnig“ und meint, man solle immer der Toten gedenken und nicht nur im November.

Die meisten aber halten an den Traditionen von Allerheiligen und Allerseelen oder Totensonntag fest, besuchen die Gräber ihrer Angehörigen und zünden dort eine Kerze an, gehen auch teilweise noch in die Gottesdienste.

„Für mich gehört das einfach mit dazu, und ich war am Allerheiligentag sicher die Jüngste in der Messe“, erklärt eine 27-jährige mit Kind.

Geradezu hymnisch fällt das Lob für die Hospize aus, die fast alle für „eine wunderbare Sache“ halten. Allerdings: Das Hospiz zum heiligen Franziskus in Recklinghausen kennen nur ganz wenige und haben höchstens einmal davon gehört.
Eine 78-jährige Frau, die ihren Mann sieben Wochen lang selbst gepflegt hat, hält die Arbeit der Hospize, die ein menschenwürdiges Leben bis zuletzt ermöglichen, für ganz wichtig.

Eine andere Passantin spricht in den höchsten Tönen von dem Hospiz, in dem ihre Cousine gestorben ist. Und ein Mann fügt hinzu: „Es müsste mehr davon geben.“

Es ist 13 Uhr. Nach und nach kommen alle Gruppen wieder an der Sparkasse Vest zusammen; die Ergebnisse werden ausgetauscht.
„Dass Allerheiligen hier noch eine feste Tradition hat, ist für mich keine Überraschung“, meint Marianne Michel, die sich über die hohe Wertschätzung für die Hospize freut.
Julia Hasecke und Lisa Fritzenkötter von der Klasse 10 c der Fridtjof-Nansen-Realschule, die sich mit Charme und Hartnäckigkeit engagiert haben, sind mit sich und der Umfrage zufrieden: „Wir haben doch einiges herausbekommen.“

Gerd Felder